Rekorder-Magazin zum Thema Demokratie

9. Juni 2026 Michael Thiem

Demokratie, frisch gefaltet

Wie aus maximaler gestalterischer Freiheit ein Magazin wurde, das Demokratie nicht nur thematisiert, sondern fühlbar macht – vom Brainstorming bis zum letzten Falz.

Ein Magazin über Demokratie zu gestalten, heißt auch: viele Stimmen, Ideen und Perspektiven zusammenzubringen. Genau so begann bei campra die Arbeit am neuen Rekorder-Magazin 2/2026 der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH. Das Thema der Ausgabe: „Don’t stop believin’“. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kreativität Demokratie sichtbar, erlebbar und zugänglich machen kann. Die besondere Herausforderung: Es gab ungewohnt viel Spielraum für kreative Ideen. Kein enges Corporate Design, an dem man sich entlanghangeln musste. Keine festgezurrten Vorgaben zu Umfang, Format oder Rubriken. Stattdessen: ein offener Raum für Ideen. „Das war schon sehr ungewohnt“, erinnert sich campra Geschäftsführer Rainer Czarnetzki, „aber auch wahnsinnig interessant. Wer hat schon die Möglichkeit, ein Projekt mit maximal vielen Freiheiten zu konzipieren und umzusetzen.“

Am Anfang stand deshalb kein fertiges Layout, sondern ein gemeinsamer Denkraum. Im campra Büro sammelten Grafik und Redaktion Themen, Bilder, Haltungen und gestalterische Ansätze. Was fühlt sich nach Demokratie an? Wie laut darf ein Magazin sein? Wie viel Haltung braucht Gestaltung? Ideen wurden gesammelt, Layouts ausprobiert, Vorschläge diskutiert – und am Ende passend zum Thema demokratisch entschieden. „Die Grundgestaltung des Magazins sollte bunt, laut und vielseitig sein – genau wie Demokratie sein sollte“, sagt Julien Fincker, Art-Direktor bei campra.

Mit Schriften aus der Fontcuisine

Neben dem Editorial Design brachte Julien noch eine weitere wichtige Zutat in das Projekt ein: die Typografie. Im Magazin kommen die Schriften Marblis, Finador, Royalis und Garino zum Einsatz, die Julien selbst in seiner Fontcuisine entwickelt hat. Sie geben der Ausgabe eine eigene Stimme: markant, lebendig und selbstbewusst. Genau passend für ein Magazin, das nicht leise auftreten will. Weitere Infos dazu gibt Julien auch auf Instagram und in einem Blog-Beitrag über Julien. Aus den vielen Gesprächen entwickelte sich ein Gestaltungskonzept, das bewusst kraftvoll ist: Neon-Orange und Magenta, große typografische Gesten, starke Zäsurseiten und ein Umschlag, der nicht einfach nur schützt, sondern Teil der Dramaturgie wird. Die verkürzte Titelseite und der verlängerte Rücktitel greifen ineinander und machen das Magazin schon vor dem Aufschlagen zu einem Objekt.

Julianes Bildwelten sorgen für Tiefe und Bewegung

Ein entscheidender Moment im Prozess: die ausgedruckten Layouts an der Wand. Erst dort zeigte sich, wie Rhythmus, Spannung und Lesefluss wirklich zusammenwirken. Seiten wurden verschoben, Kontraste geprüft, Bildstrecken diskutiert, Typografie nachjustiert. Was am Bildschirm funktioniert, muss im Raum, im Ablauf und später in der Hand noch einmal bestehen.

Ergänzt wurde das Gestaltungskonzept durch die künstlerischen Arbeiten von Juliane Herrmann, die als Art-Direktorin bei campra ebenfalls an der Gestaltung des Rekorder-Magazins beteiligt war. Ihre farbintensiven, experimentellen Bildwelten bringen Tiefe, Bewegung und Offenheit in die Ausgabe. Sie erzählen von Planung und Zufall, von Brüchen und neuen Möglichkeiten – und spiegeln damit auf besondere Weise den demokratischen Gedanken des Magazins. „Jedes Bild erzählt seine ganz eigene Geschichte und das Endergebnis ist eine Mischung aus Planung und Zufall – wie das Leben selbst“, sagt Juliane, deren Arbeiten auch auf Instagram und im Web zu finden sind.

Handarbeit und echte Teamleistung

Und am Schluss wurde es noch einmal ganz praktisch. Denn auch nach dem Druck überließ campra nichts dem Zufall: falten, einlegen, prüfen, konfektionieren. Gemeinsam unterstützte das Team bei der Vorbereitung der gedruckten Ausgaben. Zwischen leuchtenden Magazinstapeln, Kartons und konzentrierten Handgriffen wurde sichtbar, was zuvor nur Idee, Skizze und Layout gewesen war: ein gedrucktes Magazin, das Haltung zeigt.

Der neue Rekorder stellt Demokratie in den Mittelpunkt und zeigt Kreativunternehmen aus der Region, die Gestaltung nicht nur als Produkt, sondern als gesellschaftliche Kraft zu verstehen. Für campra war die Umsetzung deshalb mehr als ein Editorial-Design-Projekt. Es war ein Prozess, in dem Inhalt, Gestaltung, Material und Teamarbeit ineinandergriffen – bunt, laut und vielseitig.

Demokratie eben. Nicht nur aktuell gefragt.

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