164 Seiten Herzblut
Wie entsteht ein Heimatbuch, das keine Chronik sein will? Mit Neugier, unzähligen Recherchestunden und ganz viel Herzblut. Ein Blick hinter die Kulissen des Buchs „Botnang – 950 Jahre Heimat“, das campra für den Botnanger Bürgerverein umgesetzt hat.
Manchmal beginnen Projekte auf der Autobahn. Irgendwo zwischen Stuttgart und Mainz, auf dem Weg zu einem Videodreh im Herbst 2024, kommt campra Geschäftsführer Rainer Czarnetzki auf ein Thema zu sprechen, das ihn schon länger beschäftigt. Sein Wohnort Botnang feiert 2025 seinen 950. Geburtstag und sucht nach einer Agentur für die Umsetzung eines neuen Heimatbuchs. „Haben wir Lust, uns darauf zu bewerben?“, fragt er in die Runde. Die Antwort ist einfach. Natürlich. Worauf wir uns damit einlassen, ahnt zu diesem Zeitpunkt allerdings noch niemand.
Schon auf der Hin- und spätestens auf der Rückfahrt entstehen die ersten Ideen. Kein klassisches Geschichtsbuch. Keine Chronik. Sondern ein modernes Heimatbuch, das Geschichte anders erzählt. Mit Reportagen statt Jahreszahlen, mit Menschen statt Tabellen, mit Grafiken statt Romanen und mit Geschichten, die man nicht nur liest, sondern erlebt.
„Für mich war es natürlich ein echtes Herzensprojekt“, sagt Rainer Czarnetzki. „Als Botnanger war es außerdem eine wunderbare Gelegenheit, dem Ort, an dem ich seit 20 Jahren wohne, etwas zurückzugeben.“
Ein Werk für Entdeckungen
Als die Zusammenarbeit mit dem Botnanger Bürgerverein beginnt, ist schnell klar: Fast alles muss neu entstehen. Ein Fotoarchiv? Gibt es nicht. Ein fertiges Konzept? Ebenfalls nicht. Klare Vorgaben? Fehlanzeige.
Was zunächst nach vielen offenen Baustellen klingt, wird für uns zum größten Reiz des Projekts. Gemeinsam entwickeln wir ein Buch, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet und alle Generationen ansprechen soll. Kein Werk zum einmaligen Durchblättern, sondern eines, das immer wieder neue Entdeckungen bereithält.
Wie erzählt man 950 Jahre?
Unsere Antwort: indem man Menschen erzählen lässt. Deshalb entwickelt campra gemeinsam mit dem Botnanger Bürgerverein eine Struktur aus fünf großen Kapiteln. Sie beleuchten Botnang aus historischen, gesellschaftlichen, kulturellen und menschlichen Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen nicht Jahreszahlen, sondern Geschichten. Nicht Gebäude, sondern die Menschen, die sie geprägt haben und noch heute prägen.
Zwischen Archiv und Wald
Dann beginnt die eigentliche Reise. Über Monate sichten wir historische Zeitungen, Vereinschroniken, Archivunterlagen und private Nachlässe. Wir durchforsten Bibliotheken und Archive, stöbern in Aktenordnern und entdecken vergessene Fotos, handschriftliche Aufzeichnungen und Dokumente, die teilweise seit Jahrzehnten niemand mehr in den Händen hatte.
Parallel ist Rainer Czarnetzki kaum noch ohne Kamera in Botnang unterwegs. Der Weg zum Markt wird zum Recherchetermin. Er sucht historische Orte auf, wandert durch Botnangs Wälder, fotografiert versteckte Winkel, dokumentiert ehemalige Schutzstollen und entdeckt Perspektiven, die selbst viele Einheimische noch nie gesehen haben.
Auch das campra Team ist ständig unterwegs. Zu Fuß durch den Stadtbezirk, in Archiven, auf Dachböden, in Vereinsheimen und manchmal sogar unter der Erde. Die Redakteurinnen und Redakteure lernen, Bücher in Frakturschrift zu verstehen. Für manche Recherche steigen sie sogar in Wasserkanäle. Für andere folgen sie einem kleinen Hinweis in einer Chronik oder einem alten Foto in einer Schublade. Oft sind es genau diese Zufälle, die am Ende die schönsten Geschichten hervorbringen.
Die Menschen machen das Buch
Was uns am meisten beeindruckt hat, waren die Begegnungen. Wir sprechen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die als Kinder die Bombennächte in den Botnanger Schutzstollen erlebt haben. Mit Familien, die sich für Stolpersteine engagieren. Mit Vereinsmitgliedern, Unternehmern, Ehrenamtlichen, Kulturschaffenden und Menschen, die Botnang seit Jahrzehnten prägen.
Viele Gespräche dauern deutlich länger als geplant. Aus Interviews werden Erzählungen. Aus Erzählungen werden Begegnungen. Und nicht selten verlassen wir einen Termin mit weit mehr Material als gedacht – aber vor allem mit dem Gefühl, etwas Wertvolles bewahren zu dürfen. „Wir mussten niemanden überzeugen mitzumachen“, erinnert sich Geschäftsführer Michael Thiem. „Im Gegenteil. Alle wollten ihre Geschichte erzählen und zum Buch beitragen. Dieses außergewöhnliche Engagement spürt man auf jeder Seite.“
Das größte Buchprojekt unserer Geschichte
Heute liegt das Ergebnis vor uns. 164 Seiten. Das vom Gesamtaufwand umfangreichste Buchprojekt, das campra bislang realisiert hat. Entstanden aus einer Idee auf einer Autofahrt, gewachsen durch unzählige Stunden Recherche, Fotografie, Interviews, Gestaltung und Diskussionen. Vor allem aber ist ein Buch entstanden, das zeigt, was Heimat sein kann: Erinnerung, Gemeinschaft und Identität.
Oder anders gesagt: 950 Jahre Geschichte. Neu erzählt.
Wir sind stolz, Teil dieser Geschichte geworden zu sein.
Noch mehr campra, gefällig?
Der Blick ins campra Länd lohnt sich. Infos zu neuen Projekten, Insights aus dem Büroalltag oder der Blick über den Tellerrand der Kommunikation – campra lohnt sich.



































