Ein echter Typo
Jetzt wird’s international: Der gebürtige Franzose Julien Fincker verstärkt als Art-Direktor campra und macht damit den Weg in einen Grenzbereich der Gestaltung frei.
Wer kennt Spitzkant? Oder Garino? Oder Ardena, Finador Slab, Finador oder Bourget? Niemand? Dann werden wir das jetzt ändern. Denn wer mit den Begriffen nichts anfangen kann, kennt Julien Fincker nicht. Der 37-Jährige ist nicht nur der erste campra Mitarbeiter mit französischem Pass. Er ist auch der erste Art-Direktor in unserer Agentur, der mit Buchstaben nicht nur umgehen kann, sondern diese auch gestalten kann. Zugegeben, das ist gewagt, aber wir versuchen, diese These auch zu belegen. Spitzkant zum Beispiel ist eine Schriftart, die Julien gestaltet hat. Mit viel Liebe zum Detail. Ein Hobby? Eine Leidenschaft? Beides – und doch auch so viel mehr. Julien selbst bezeichnet dies nicht als nerdig. Das sei sogar mega nerdig, sagt er. Zu Beginn seines Studiums habe er gar nicht gewusst, dass es Menschen gibt, die Schriften erfinden. Und bei vielen endet die Kenntnis über Typographie grundsätzlich auch bei Arial, Times New Roman und Comic Sans. Ganz anders bei Julien. Als er sich näher mit dieser Thematik beschäftigt hat, habe sich eine ganz neue Welt aufgetan, erzählt er.
Als ich mich näher mit dem Thema Typographie
beschäftigt habe, hat sich eine ganz neue Welt aufgetan.
Julien Fincker
Buchstaben, Typen, Glyphen, Ligaturen, Open-Type-Features oder die Software Glyphs für die professionelle Gestaltung neuer Fonts faszinieren ihn wie andere der Traumpass auf den Stürmer und die anschließende Direktabnahme ins Tor. Die Frage, was man unter einer Ligatur versteht, hat jedenfalls das Potenzial zur Millionen-Frage bei „Wer wird Millionär?“ Was daran sonst noch nerdig ist? Ein einfaches Beispiel macht das deutlich. Durch Schrift könne man ganz viel ausdrücken, viel subtiler als mit Fotos oder Illustrationen. Und daher sei es total spannend, wie man einen neuen, einheitlichen Stil entwickelt, der dann auf ganz viele typografische Elemente passen muss. Bei den Großbuchstaben A, H und O seien es die drei geometrischen Grundformen Dreieck, Viereck und Kreis. Hier sei es wichtig, dass man bei einem O die Seitendicke einen Tick dicker machen muss als beim H, damit das optisch für das Auge gleich aussieht. Logisch, oder?
Super nerdig!
Der zweifache Familienvater fängt Feuer, hängt sich rein, liest sich Wissen an und probiert es einfach aus. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Inzwischen sind es sechs Schriftarten, die seine Handschrift tragen. Respekt. Oder besser: Volià, le Nerd! Vielleicht ein Grund, warum er perfekt zu campra passt. Wer mehr über seine Arbeit wissen möchte, sollte auf jeden Fall mal auf www.julienfincker.com vorbeischauen. Nur mega nerdig? Super nerdig! Ach ja, die Namen seiner Schriften entspringen nicht J.R.R. Tolkiens Feder und sind keine verschollenen Elben-Stämme in Mittelerde. Dazu passen würden sie allerdings.
Volià, le Nerd!
Was macht Julien sonst so? Der passionierte Filmer und Fotograf ist vermutlich der beste campra Editor bei der Postproduction. Doch seine Faszination für die Macht der Typographie fließt auch in seine sonstige Arbeit in der Agentur ein – zum Beispiel bei der Gestaltung von Printpublikationen, animierten Infografiken oder Social-Media-Postings. Und Julien hat sogar Zeit für andere Hobbys: seine Familie. Nicht zuletzt die beiden Zwillingstöchter halten ihn auch dann auf Trab, wenn alle Ligaturen definiert und zum Download hochgeladen sind. Und völlig vorurteilsfrei: der Franzose hat sich in seinen Garten eine eigene Boulebahn gebaut. Ob er auf anderem Terrain an seine früheren Erfolge anknüpfen kann, wird sich erst im Sommer zeigen. Rainer hat ihn dazu überredet, sein Skateboard wieder hervorzukramen. Was für ein Typo!
Noch mehr campra, gefällig?
Der Blick ins campra Länd lohnt sich. Infos zu neuen Projekten, Insights aus dem Büroalltag oder der Blick über den Tellerrand der Kommunikation – campra lohnt sich.
